Ein(hundert)tausend

Fast 6 Jahre, über 100k Tweets und nun auch die 1.000 Marke bei den Followern geknackt. Das ist doch mal ein guter Anlass etwas darüber zu schreiben wie ich Twitter sehe, benutze und benutzt habe. Ja, vor kurzem schrieb ich noch das Twitter ja doof ist und ADN viel besser sei. Der Meinung bin ich immer noch, das was Twitter, also die Firma, momentan so macht oder vor hat gefällt mir nicht und immer noch ist ADN alleine wegen 256 Zeichen und u.a. Patter besser. Leider aber sagen die Entwickler nichts darüber was los ist und gerade kommt noch aktive Sterbehilfe durch iOS8 bzw die größeren iPhones hinzu. Riposte geht noch, guckt sich aber trotzdem doof. hAppy ist vielleicht ein toller Client aber nix für mich, Chimp das gleiche.

Zumindest für uns Podcaster ist eine Kommunikationsalternative/Nachfolge da (#sendegate)

Aber zurück zu Twitter. Zum Beispiel hätte ich vor ein paar Jahren gedacht dass ich die 100k Tweets viel eher erreiche, so hab ich 2011 drei Monate über 3000 Tweets verfasst. Im Juni sogar fasst 4000, da fand mal wieder eine Apple (WWDC) Keynote statt. Außerdem hatte ich in der Zeit eine Freundin und habe einige ärgern können mit dem Tweet “Endlich ist Lion da” was sich eigentlich auf AlicieLion bezog, aber damals warteten alle sehnlichst auf Mac OSX Lion.

Ganz zu Anfang, also 2009, hab ich relativ wenig getwittert. Da war ich noch beim Bund, hatte kein Smartphone (also … naja… nein.) und hab eher mal sporadisch was geschrieben. So richtig los ging es eigentlich erst 2010 als ich Mac User wurde und mir das Nokia 5230 geholt habe. Da gab es für Symbian den Client Gravity der echt gut war, die ReTweets schon damals wie die jetzigen nativen darstelle und verlinkte Audio(Boos) abspielen konnte. Zusätzlich der Mac halt auf dem die Clientvielfalt da war und überhaupt sich mir eine neue Welt eröffnete. Damals freute ich mich auch ein wenig als mir @rosenkrieger plötzlich folgte.

2011 hab ich dann auf dem 2. YouTube User Congress einen Vortrag über Twitter gehalten. Total nervös weil es das erste Mal vor so vielen fremden Menschen war, ich bekam aber trotzdem positives Feedback vorallem weil ich die Listenfuntion mal erklärt habe und das noch nicht alle klar war. Übrigens war ich da “der der soviel Twitter”. Gravity konnte tatsächlich anzeigen wieviel man pro Tag im Schnitt twitterte und das war mal so 25-35 Tweets.

In den bald 6 Jahren hab ich viele nette Menschen kennen gelernt, mein längster und treuster Follower ist der Florian. Unteranderem hab ich aber auch Shibo kennen gelernt die NikStohn, dem ich schon länger folgte und auch Svenja kannte mit der ich “was hatte”. Die wiederum wohnte damals in der Nachbarschaft vom guten STYNG_1. Creepy. Berlin ist ein Dorf. Auf einigen Twittertreffen war ich auch und dort viel Spaß hatte (Endlich mal normale Leute). So richtig war das aber nicht meine Filterbubble. Auf dem letzte fühlte ich mich irgendwie zualt und sehr fremd. Ich kannte nur wenige und die sich aber alle. Tolle Menschen waren es trotzdem.

Kommen wir aber mal dazu was Twitter für mich ist: Es hat unteranderem endgültig MSN und ICQ abgelöst, das damals ja schon (recht) tot war und dann kam auch dieses komische Facebook auf, das ich zu Anfang mied. Twitter ist für mich meine Newsquelle, ein Ersatz für “Chat” (noch drei Sekunden bis “Twitter ist kein Chat!” ja der Meinung bin ich auch irgendwie. dazu aber gleich noch etwas), meine Quelle für das aktuelle Geschehen in der Welt. Tatsächlich funktioniert meine TL inzwischen sehr gut und bekomme so recht schnell Dinge mit und kann auch anhand der Masse oder derer die es twittern fest machen ob etwas wahr ist oder nicht. Fukushima oder zuletzt die technische Störung im einem ukrainischen AKW. Am Tag der Loveparade Katastrophe las ich eine Stunde lang nur Tweets darüber.

Manchmal, leider zu selten funktioniert Twitter auch als Google Ersatz. Auch darüber schimpfen ja einige, aber warum soll ich Google bemühen wenn ich Tweets von Leuten die ich kenne bekommen kann. Wofür Twitter auch gut ist: Fernsehen. In letzter Zeit schaue ich immer weniger TV, ab und zu dann aber doch wenn darüber getwitter wird und ich neugierig bin. Pflicht sind dann Sachen wie ESC, die WM oder das letzte “Wetten dass…?”.

Wofür Twitter sich überhaupt nicht eignet und genau deshalb ADN besser ist: Diskutieren. Ganz oft fühlt sich das wie ein Krampf an Worte in 140 Zeichen zu quetschen und dann mehrere Tweets im Stakato versendet. Eine Zeit lang waren Dienste wie Twitlonger In weil es einige Clients gab die automatisch dann einen Twitlonger Link dran gehängt haben und einiger hat diese auch automatisch expanded. Es macht einfach keinen Spaß. Jetzt kommen die ersten: “ja, kann ich doch nix dafür dass du dich nicht in Kürze ausdrücken kannst” oder “ist doch auch eine Art Kunst in 140 Zeichen zu schreiben” usw. Blabla. Fragt mal die ADN User, die kommen mit der Kürze bei Twitter nicht mehr klar und würden am liebsten Geld drauf werfen.

Aber nein, aus irgend einem Grund sieht Twitter das nicht ein und versucht seinen Usern mit allen Mitteln Werbung reinzudrücken. Sie müssen ja irgendwie Geld verdienen, spätestens seit dem sie an der Börse sind. Was machen sie also? Genau, Werbung da rein drücken wo es nicht mehr passt. Und durch die Hintertür die User, also uns, das Produkt, dazu zu bringen diese Werbung auch zusehen. In dem man eine neue API eingeführt hat, das Token Limit (neue Clients haben nur 100.000 Tokens, sprich nach 100.000 Accounts die den Client nutzen ist Schicht im Schacht), Features die nur in die offiziellen Clients(/Website) kommen. Geben wir es doch mal zu: die offiziellen Apps sind scheiße. Auf iOS hab ich neulich die off. App wieder ausprobiert aber diese komische verwirrende Konversationsansicht macht einen Kirre und der Standard Notification Sound ebenfalls. Neue Twitter Apps kommen nicht weil keiner mehr die Zeit und das Geld da rein stecken will, auf iOS könnte vielleicht noch jemand einen Hit landen aber auf allen anderen Plattformen nichtmehr. Auf Android passiert es dann dass der Entwickler plötzlich sieht dass sein Tokenlimit verbraucht ist, er aber nur circa 40k Verkäufe gemach hat und der Rest hat die App illegal geladen. (Jetzt könnten wir noch die Freibiergesicher Debatte aufmachen, lassen wir das lieber).

Eigentlich mag ich Twitter, bzw die Leute die da sind, die Leute die aus Twitter das gemacht haben was es jetzt ist (und jetzt von Twitter mit dem Arsch nich angeguckt werden). So ganz ohne Twitter wäre dann doch schon doof. Facebook oder G+ würde ich nicht vermissen. Bei über 600 Followings scrollt das immer so bei mir durch und einiges geht unter und ich lese morgens eher selten nach. Es fühlt sich dennoch komisch an auf einen stunden oder tagealten Tweet zu antworten oder eine Antwort zubekommen.

Ganz oft fliegen auch Dinge durch Twitter wo ich dann später denke: “Das hat man doch aber mitbekommen, das ging doch den halben/ganzen Tag durch Twitter” und dann war das doch nur (m)eine Filterbubble. Was kommt nach Twitter? Ich prophezeie ja dass es etwas ähnliches wie App.net ist. Gerade scheint ja der Trend zu sein für jeden Dienst eine App zu machen, siehe Facebook. Was ja ansich gut ist, machne nutzen vielleicht nur eine Funktion eines Dienstes. Ich wäre auch bereit Geld dafür zuzahlen.

So. Schluss jetzt. Ich muss weg. Alle Rechtschraibfelher behaltet bitte für euch und kauft euch einen Lolli davon. Zum Schluss noch dieser Tweet hier:

Das hier ist ein Tweet, der alle paar Monate und alle Jubeljahre aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen retweetet wird.

— Tim Pritlove (@timpritlove) September 20, 2011